X
  GO
Literatur gestreift

Isabel Allende WAS WIR FRAUEN WOLLEN

S.94 "Für Männer kann die Rente der Anfang vom Ende sein, weil sie ihren Selbstwert und ihre Verwirklichung aus der Arbeit ziehen, sie in die Arbeit alles investieren, was sie sind, so dass danach wenig übrig bleibt und sie geistig und emotional abbauen. Dann beginnt die Zeit der Angst vor dem Ungenügen, vor dem Verlust der wirtschaftlichen Grundlagen, vor dem Vereinsamen, die Liste ließe sich lange fortsetzen. Wenn sie nicht eine Partnerin oder einen Partner haben, die sich kümmern, und keinen Hund, der sie wedelnd begrüßt, sind sie erledigt. Wir Frauen haben es da besser, weil wir nicht nur arbeiten, sondern auch familiäre und freundschaftliche Beziehungen pflegen, geselliger sind als die Männer und vielfältiger interessiert. Aber auch wir werden durch die mit den Jahren einhergehenden Gebrechlichkeiten ängstlicher. Ich verallgemeinere stark, aber Sie verstehen, was ich meine."

Judith Fanto VIKTOR

Nach dem Essen war das gemeinsame Musikhören angesagt. Mozart, Bach und Beethoven, aber auch Fauré, Brahms, Bruch und natürlich auch Mahler. Schweigend und mit andächtig geschlossenen Augen gaben sich die Erwachsenen dankbar dem hin, was die genialen Meister und virtuosen Musiker hervorgebracht hatten. 
Wir Kinder hatten ebenfalls zu lauschen und ruhig dazusitzen. Letzteres war für mich jedes Mal eine harte Prüfung. Ich war glücklicherweise in der Lage, mich gedanklich an andere Orte und in andere Zeiten zu versetzen, körperlich war ich zum gnadenlosen Stillsitzen auf einem harten Stuhl verurteilt. Und das konnte ich einfach nicht - allen Ermahnungen und jeglichem Augenrollen der Erwachsenen zum Trotz.
Vor allem Großvater störte mein Bewegungsdrang. "Das Kind ist wie Viktor", bemerkte er ärgerlich, "der konnte auch keinen Moment ruhig sitzen!"

Juli Zeh ÜBER MENSCHEN

S. 173 "Die Tragik unserer Epoche, pflegt Jojo zu sagen, besteht darin, dass die Menschen ihr persönliche Unzufriedenheit mit einem politischen Problem verwechseln."

S. 295 "Sie hat angefangen, sich zu fragen, was andere Menschen wählen. Was in den Geheimkammern ihrer Gehirne vor sich geht, während sie ihre Kinder abholen oder einkaufen fahren. Fest steht, dass alle Angst haben und dabei meinen, dass nur die eigene Angst die richtige ist. Die einen fürchen sich vor Überfremdung, die anderen vor der Klimakatastrophe. Die einen vor Pandemien, die anderen vor der Gesundheitsdiktatur. Dora fürchtet, dass die Demokratie am Kampf der Ängste zerbricht. Und genau wie alle anderen glaubt sie, dass alle anderen verrückt geworden sind."

Jörg Alt HANDELT

S. 155 "Christliche Verpflichtungen, es kann nicht oft genug betont werden, gelten selbstverständlich gegenüber allen Menschen. Im Gleichnis vom Weltgericht (Mt 25) fordert Jesus auf, menschliche Not zu lindern, nicht die Not der Glaubensgeschwister. Und er identifiziert sich persönlich mit den Notleidenden: "Was ihr XY getan habt, das habt ihr mir getan" ... Und am Wichtigsten: Der Christ ist nicht nur dazu verpflichtet, Schaden von anderen fernzuhalten. Die Goldene Regel Jesu lautet nicht: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu." Jesus formuliert sie, meines Wissens einzigartig, proaktiv und sagt: "Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten" (Mt. 7,12). ... Doch, weil ich es als Bürger eines der reichsten Länder der Erde ressourcenmäßig kann und weil unser Staat immer noch den Anspruch erhebt, in der jüdisch-christlichen Tradition zu stehen."

Elif Shafak SCHAU MICH AN  

S. 36 „Sagen wir, es kommt mir in einer Menschenmenge eine dicke Frau entgegen, dann fixiere ich sie sofort, und sie mich. Und dann können wir noch so sehr tun, als würden wir die jeweils andere nicht anschauen, die Frage lautet sofort: „Sehe ich etwa auch so dick aus wie die?“ Und die Antwort darauf ist unweigerlich immer die gleiche: „Nein, die ist dicker als ich.“ Nun Eigenschaften sind ja per se auf andere angewiesen; sie sind nie für sich. Und damit ein Dicker schlanker wirkt, helfen keine Längsstreifen, keine gedeckten Farben und auch keine weiten Gewänder, sondern einzig und allein ein anderer Dicker. Ein Dicker ist des anderen Dicken Gegengift."

Delphine de Vigan DANKBARKEITEN

S. 123 "Alt werden heißt verlieren lernen.
Heißt jede oder fast jede Woche ein weiteres Defizit, eine weitere Beeinträchtigung, einen weiteren Schaden verkraften müssen. So habe ich es vor Augen.
Und auf der Einnahmeseite steht gar nichts mehr.
Eines Tages nicht mehr laufen, gehen, sich beugen, sich bücken, etwas aufheben, spannen oder falten können, sich nicht mehr zur einen oder zur anderen Seite, weder nach vorn noch nach hinten drehen können, morgens nicht mehr, abends nicht mehr, gar nicht mehr. Sich unablässig damit abfinden.
Das Gedächtnis verlieren, seine Fixpunkte verlieren und seine Wörter verlieren. Das Gleichgewicht, das Zeitgefühl, das Augenlicht, den Schlaf, das Gehör und den Verstand verlieren.
Das verlieren, was einem geschenkt wurde, was man gewonnen, was man verdient, wofür man gekämpft und wovon man geglaubt hat, man würde es für immer behalten.
Sich neu anpassen.
Sich neu organisieren.
Ohne zurechtkommen.
Darüber hinweggehen.

Martin Mosebach KRASS

S. 445 : „Gut war ihm dieses Leben, von der Physis her gesehen, nicht bekommen. Er war zerfallen; sein weniges Haar war rötlich verschossen, der Teint hell, aber im Gesicht hing alles, was hängen konnte, herunter. So hatte die Muße zu einem ähnlichen Grad der Erschöpfung geführt wie harte Arbeit. Die Schwester wirkte munter dagegen, obwohl in ähnlichem Alter. Sie war ohne Zweifel von der Mutter zu seiner Beschützerin bestimmt worden und übte diese Rolle umsichtig aus, indem sie ihn von einem Sessel in den anderen dirigierte, als gelte es zu vermeiden, dass er sich wundsitze. Ein kosmetischer Operateur hatte das Aufblasen ihrer Lippen derart übertrieben, dass er offenbar einen Schreck bekommen und das übrige Gesicht sich selbst überlassen hatte. Kräftige Schminke versuchte, das Gleichgewicht wiederherzustellen.“

Heinz Pleschinski AM GÖTTERBAUM

S. 6 : Es lag am Föhn. Bei den alpinen Fallwinden, die schlagartig eine perverse Wärme ins Voralpenland und in den Winter drückten, Märzstaub aufwirbelten, den möglicherweise tödlichen Feinstaub. Abgase, Reifenabrieb, das karzinogene Vanadium. Von Amts wegen kannte sie sich mit Schadstoffen und den städtischen Maßnahmen dagegen aus. Hoffentlich drohten nicht weitere Heimsuchungen. Bei diesen Warmwindattacken wachte man morgens zerrüttet auf, wie in einem Waffeleisen, sah schwarz, kämpfte sich den Tag lang durch Zerfall, schluckte lustlos Pasta, sah Extremisten vereint mit Fundamentalisten, hinter ihnen die diversen Nationalisten, die Dauerwütenden mittendrin, in Straßburg das Europa-Parlament stürmen und das Gestühl zertrümmern. Dann wäre alles kaputt.  Am Föhn lag es, wenn sie mit Kopfweh an so etwas dachte."

Lisa Kötter SCHWEIGEN WAR GESTERN

S. 81 "Macht zu gebrauchen oder zu missbrauchen, liegt oft so nah beieinander, dass die Grenze, auch für die Machthaber selbst, manchmal kaum zu erkennen ist. Wobei im Sinne der jesuanischen Nachfolge, die immer das Heil und damit die Freiheit der Menschen im Blick haben sollte, zu fragen ist, ob es nicht bereits ein erster Schritt in die falsche Richtung ist, Macht über andere in die Hände von Menschen zu legen. Ob ein »Gebrauch« von Macht nicht immer schon immer einen »Missbrauch« von Macht beinhaltet."

Volker Kutscher DER NASSE FISCH

S. 195 "Gereon konnte seinen Bruder verstehen. Damals schon und heute noch viel mehr. Engelbert Rath hatte seinen Sohn nicht verstanden. Die Schande des Vaterlandverräters in der eigenen Familie hatte ihn tief getroffen, die konnte auch der Heldentod des Ältesten nicht aufwiegen. Im Gegenteil, es war, als gebe er Severin die Schuld an Annos Tod. Jedenfalls ließ Engelbert Rath, ohne mit der Wimper zu zucken, auch seinen zweiten Sohn sterben. Allein durch Schweigen. Über Severin wurde im Hause Rath nicht mehr gesprochen. Seine Briefe nicht beantwortet, ja nicht einmal mehr gelesen. Bis irgendwann keine mehr kamen."

S. 343 "»Vor ein paar Tagen noch habt ihr den Polizeipräsidenten beinah zerquetscht, weil er keine neuen Informationen zur Leiche aus dem Landwehrkanal herausrücken wollte.«
Weinert lachte. »Mein lieber Gereon, so ist das eben. Journalismus ist Tagesgeschäft. Da wird schnell vergessen.«
»Dann musst du eben dafür sorgen, dass man sich wieder erinnert! Ob ein Fall mit fetten Schlagzeilen auf die Titelseite kommt oder ob er auf Seite fünfzehn als Zehnzeiler abgefrühstückt wird, das entscheidet die freie Presse doch immer noch selbst.«"

Jasmin Schreiber MARIANENGRABEN

„Man kann das Leben nicht aufhalten, wissen Sie. Das geht nicht. Und den Tod kann man auch nicht kontrollieren, weil er nun einmal zu diesem bekloppten Ritt namens Leben gehört. Ich meine ...“

Michelle Obama BECOMING

S. 222: „Sie entschuldigten sich weder dafür, die Bedürfnisse ihrer Kinder an oberste Stelle zu setzen, auch wenn dies vielleicht einige Arbeitsabläufe durcheinanderbrachte, noch vollzogen sie eine strenge Trennung von Beruf und Privatleben, wie ich es unter den männlichen Partnern bei Sidley sehr beobachten konnte. Ich glaube, eine solche Trennung stand für Susan und Valerie gar nicht zur Debatte, denn sie mussten nicht nur die vielen Erwartungen erfüllen, die nur an Mütter gestellt wurden, sondern sie waren beide geschieden, was seine eigenen emotionalen und finanziellen Herausforderungen mit sich brachte. Sie wollten nie perfekt sein, leisteten aber immer Außerordentliches. Dass sie zudem eine tiefe Freundschaft verband und sie einander halfen, wo sie konnten, beeindruckte mich zusätzlich. Sie hatten jegliche Art von Maske abgelegt und waren auf wundervolle, lehrreiche und kraftvolle Weise sie selbst.“

Michael Kumpfmüller DIE HERRLICHKEIT DES LEBENS

„Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort, nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie“ (Franz Kafka)

Adriana Altaras DIE JÜDISCHE SOUFFLEUSE

S. 7: "Ich will mich nicht beklagen, aber wo immer ich mich gerade aufhalte, fangen Menschen an, mir ihre Geschichten zu erzählen."
S. 68: "Es ist eindeutig zu spät, sie sind angefixt. Das süße Gift des kreativen Geistes kreist in ihren Adern. Für den Himmel auf Erden."

Iris Wolff DIE UNSCHÄRFE DER WELT

S. 101: "Samuel hatte, ohne es zu wissen, die Landkarte ihres Körpers für sich eingenommen, und wenn es etwas gab, wofür sie an diesem Abend dankbar war, dann das dieser Atlas unsichtbar war."
S. 154: "Geliehene Bücher zu lesen, ist wie Sex mit angezogenen Klamotten."

Regina Scheer Machandel

„In Machandel lag das alte Fotoalbum vom Dachboden wie eine Kostbarkeit auf einem Tischchen unter einem Glassturz. Die Kinder auf den fleckigen Fotos kannte ich längst mit Namen, wusste, dass der größere Junge, Heinz, nach dem Krieg im Krevetsee ertrunken war. Emma wandte sich ab, wenn sie davon sprach. An den Wochenenden suchte ich die runden, offenen Kindergesichter in den verschlossenen Mienen der schweren Männer und Frauen, die Emma besuchten. Ich hatte die Fotos so oft und so lange angeschaut, dass ich von jedem sagen konnte, an welcher Stelle des Gartens es aufgenommen worden war, wo der Tisch mit der bauchigen gepunkteten Kaffeekanne gestanden hatte, deren Scherben Michael irgendwann beim Umgraben im Garten fand."

Herta Müller Mein Vaterland war ein Apfelkern

„Die Frage nach dem Taschentuch zeigte mir, dass sich meine Mutter ein bisschen Sorgen um mich macht, wenigstens um mein äußeres Erscheinungsbild. Als Kind aus einem ordentlichen Haus musste man für alle Fälle ein sauberes, glatt gebügeltes Taschentuch haben, zum Naseputzen, Weinen, Hände-Abwischen, Wunde-Verbinden, Sich-zum-Tragen-einen-Griff-Machen oder einen Geldbeutel, eine Kopfbedeckung gegen Sonne und Regen. Ich habe auch immer wieder verlorene Taschentücher gefunden und selbst welche verloren. Die wertvollsten Taschentücher waren Unikate mit selbstgemachten Stickereien, Monogrammen oder gehäkelten Rändern. Taschentücher gehören zu den wandelbarsten Dingen. Als einmal jemand auf der Straße in der Stadt tot umfiel, deckte ein Passant dem Toten das Gesicht mit seiner Zeitung zu. Und ein anderer Passant nahm die Zeitung vom Gesicht des Toten, zerknüllte sie, stopfte sie wortlos in seine Aktentasche und bedeckte das Gesicht mit seinem Taschentuch.“

Brian Sewell Pawlowa oder Wie man eine Eselin um die halbe Welt schmuggelt

„Nicht weit vom Bahnhof fand er ein öffentliches Badehaus, wenn auch eins ohne eine einzige prächtige Fliese. Zwei junge Männer, nur mit einem Handtuch um die Lenden bekleidet, gaben ihm ebenfalls ein Handtuch, nahmen seine Kleider, setzten ihn auf eine Marmorbank und ertränkten ihn beinahe mit Wasser, das sie aus Eimern über ihn schütteten – erst heiß, dann kalt, dann wieder heiß. Sie wuschen sein Haar und seiften seinen Körper mit einer Bürste ein, dann breiteten sie ein Handtuch auf dem Boden aus, auf dem er bäuchlings ausstreckte, und stellten sich auf seine Rippen und Schultern, bis er seine Gelenke krachen hörte. Dann späten sie den Seifenschaum ab, wickelten ihn in lauter riesige Handtücher und rasierten ihn mit einem altmodischen Messer. Zum Schluss zupften sie noch die Haare aus seiner Nase (bei jedem einzelnen rief er „Autsch“), massierten seine Schläfen und wiesen dann auf eine einfache Liege, wo er sich ausruhen konnte. Eine Stunde später brachten sie ihm Tee und seine Kleider, die frisch gewaschen, getrocknet und gebügelt waren und fast wie neu aussahen.“

 „Mr B hatte immer weibliche Hunde gehabt, und die meisten hatte er nach Dichterinnen, Komponistinnen oder Philosophinnen benannt, aber sein jetziges Rudel hatte die Namen von Malerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts bekommen. Die Windhündin hieß nach Dora Carrington, weil er sie beide nervös und zerfahren fand, die arme Kahlo war nach Frida Kahlo benannt, weil sie die hässlichste Hündin war, die er je besessen hatte (obwohl er sie gerade deshalb besonders liebte), und Kollwitz, die Schäferhündin – die er am innigsten ins Herz geschlossen hatte – trug den Namen der Frau, die seiner Meinung nach die größte Malerin aller Zeiten gewesen war: Käthe Kollwitz.“

Annette Pehnt Mobbing

„Als die Kündigung kam, haben wir nicht geschrien. Als Jo mit dem Kuvert in der einen, dem Schreiben in der andern Hand am Esstisch stand, hinter ihm auf dem Herd ein Topf mit Spaghetti, die allmählich im heißen Wasser aufweichten, während wir nur dastanden, von der Mittagssonne beleuchtet, und spürten, wie die endlich eingetroffene Katastrophe einen Ring um uns legte, der sich zuzog und uns hielt, beinahe tröstlich fest umspannt hielt, da schrien wir nicht. Wir nickten uns zu, verblüfft und mit dieser eigenartigen Befriedigung, dass endlich das Schlimmste passiert war, wir mussten es nun nicht mehr fürchten, warum sollten wir schreien, es gibt fünf Millionen Arbeitslose, Joachim Rühler gehört dazu.“

Natascha Wodin Sie kam aus Mariupol

„In mir ist ständig dieser Hunger, dieser Mangel, den meine Schwester nicht zu kennen scheint. Vor allem brennt in mir immer der Neid auf die anderen Kinder, nicht nur die deutschen, sondern auch die aus den „Häusern“. Ich hätte auch gerne eine Mutter, die Bratkartoffeln braten und einen Kuchen backen kann, die Vorhänge für unser Fenster näht und nicht das Wechselgeld auf dem Ladentisch liegen lässt, weil es ihr peinlich ist, es anzunehmen. In der Schule werde ich ausgelacht, weil ich Löcher in den Strümpfen habe und eine Fünf in Handarbeit. „So etwas ist kein richtiges Mädchen“ sagt Fräulein Schorrn, „da nutzen dir die Einsen in den anderen Fächern auch nichts“

Ursula März tante martl

„Weisch du, was mir passiert ist“ begann sie, als habe sie noch nie zuvor vom Drama ihrer Geburtsurkunde berichtet und lüfte just in diesem Moment ein ungeheuerliches Geheimnis. Dabei ließ sie ihren Oberkörper wie unter einer schweren Last nach vorne sinken, und ich musste zusehen, dass sie nicht kopfüber vom Bettrand fiel und mich mitzog. „Die habbe e Bub aus mir gemacht, aber isch war doch gar ke Bub.“ Ihr Gesicht nahm einen gequälten Ausdruck an, und meine Tante begann so bitterlich zu weinen, wie ich sie nur ein einziges Mal weinen gesehen hatte, einige Jahre zuvor. „Die ganze Stadt hat über misch gelacht, die ganze Stadt.“

 

 

 

 

Literatur gestreift für junge LeserInnen

Claudia Kühn und Jörg Hilbert RITTER ROST - EISENHART UND VOLL VERBEULT

„Dann bin ich König von Neu-Schrottland. Und hier wird alles blitzen und funkeln. Schluss mit all dem alten, dreckigen Schrott!“

Elisabeth Steinkeller PAPIERKLAVIER 

"Ich schütte die vielen kleinen Glücksportionen der letzten Wochen vor mir aus - staune, weil sie meinen See augenblicklich auf Hüfthöhe anwachsen lassen. Also hole ich tief Luft und tauche ab. Und wie ich mich umsehe, stelle ich fest: Es ist alles andere als perfekt hier. Aber eindeutig ziemlich schön."

Astrid Lindgren KARLSSON VOM DACH

..."Er erkannte das Gespenst am Geruch und fand dieses Spiel höchst vergnüglich. Das Gespenst offenbar auch. "Hoho!" schrie es und flatterte Fräulein Bock um die Ohren. Hin und wieder ließ es ihr einen kleinen Vorsprung, damit die Spannung noch größer würde. Es ging nunmehr durch die ganze Wohnung, Fräulein Bock voran und das Gespenst hinterdrein, ..."

Dimeter Inkiow und Traudl Reiner ICH UND MEINE SCHWESTER KLARA - DIE SCHÖNSTEN GESCHICHTEN ZUM VORLESEN

„Nur um nachzusehen, ob die Torte noch da ist. Vielleicht hat sie jemand geklaut." "Wer sollte sie klauen?" "Wer wohl? Ein Dieb. So eine wunderschöne Torte wird jeder Dieb der Welt klauen. Und dann allein zu Hause aufessen. Hast du nicht gesehen - das Küchenfenster war offen! " Wir gingen beide in die Küche ...

Gina Ruck-Pauquèt und Hartmut Bieber DER KLEINE KÖNIG IM KUNTERBUNTEN SCHLOSS

Und so schrieb er das zweite Gesetz auf: „Alle Kinder und alle Tiere in meinem Land", lautete es, „sollen jeden Tag gefüttert und gestreichelt werden. Das ist das zweite Gesetz.“